Cannabis und Kokain führen Europas Drogen-Statistiken weiter an
Die Europäer greifen zunehmend zu Kokain, um sich einen Kick zu verschaffen. Der Cannabis-Konsum könnte hingegen seinen Höhepunkt überschritten haben. Die Zahl der Drogentoten bleibt hoch. So lauten die Schlüsseldaten der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht in Lissabon, die am 21. November ihren Jahresbericht im Europaparlament vorstellte.
Cannabis: Laut dem im Innen-Ausschuss vorgestellten Jahresbericht der EU-Behörde konsumieren circa 3 Millionen Europäer täglich oder nahezu täglich Cannabis-Produkte.
Rund 70 Millionen Europäer – und beinahe jeder vierte in der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen – haben schon einmal Cannabis probiert, 23 Millionen im zurückliegenden Jahr.
Im Berichtszeitraum war der Cannabis-Konsum in Spanien, der Tschechischen Republik, Frankreich und Italien besonders weit verbreitet. In diesen Ländern gaben zum Beispiel 20 bis nahezu 30 Prozent der 15- bis 24-Jährigen an, in den zurückliegenden 12 Monaten Cannabis konsumiert zu haben. In dieser Altersgruppe nimmt auch Deutschland mit rund 22 Prozent Cannabis-Konsumenten einen Spitzenplatz ein (in Österreich sind es 15 Prozent).
Allerdings deuten die jüngsten Zahlen an, dass die Beliebtheit von Cannabis europaweit ihren Höhepunkt überschritten hat, so der Direktor der Beobachtungsstelle Wolfgang Götz.
Kokain-Konsum nimmt zu
Trotz deutlicher Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern bestätigt der Jahresbericht, dass Kokain nach Cannabis das meist konsumierte nicht legale Suchtmittel der Europäer ist und die Zahl der Konsumenten zunimmt. Während der vorherige Jahresbericht noch von 3,5 Millionen (gelegentlichen oder regelmäßigen) Kokain-Konsumenten ausging, lautet die Schätzung nun 4,5 Millionen. Auch die Menge des beschlagnahmten Kokains erreichte neue Rekorde: Mit 107 Tonnen war die Menge 2005 rund 45 Prozent höher als im Jahr zuvor. Wichtigstes Einfallstor bleibt die iberische Halbinsel.
Drogentote
Der Bericht beklagt, dass es nicht gelungen sei, die Zahl der Drogentoten nennenswert zu vermindern. 7.000 bis 8.000 Europäer verlieren aufgrund der Vergiftung mit illegalen Suchtstoffe jedes Jahr ihr Leben. Die meisten Drogentoten durch Überdosis sind Ende 20, Anfang 30.
EU-Drogenstrategie gescheitert?
Der italienische Europa-Abgeordnete Giusto Catania (Vereinigte Linke), einer der Vizepräsidenten des Innenausschusses und Berichterstatter für die EU-Strategie für den Kampf gegen Drogen (2005-2012), hält die Strategie der EU angesichts dieser Zahlen für gescheitert und fordert einen Strategiewechsel.
Aus Catanias Sicht ist Repression nicht das geeignete Mittel im Kampf gegen die Drogen und ihre gesellschaftlichen und sozialen Folgen. Ein Beamter der EU-Kommission erklärte bei der Vorstellung des Jahresberichts jedoch die Legalisierung bestimmter Drogen sei aktuell „nicht auf dem politischen Radar” der EU.
Quelle: www.europarl.europa.eu

