Kiffer im Krankenhaus
Immer häufiger landen Cannabis-Konsumenten in hessischen Kliniken, meldet die Techniker Krankenkasse. Ob es daran liegt, dass der Gehalt am Wirkstoff THC in Haschisch oder Gras gestiegen ist, ist umstritten. Wissenschaftlich bewiesen ist, dass beim Konsum das Risiko des Ausbruchs einer psychischen Krankheit steigt.
Cannabis-Abhängige sind motivationslos, in Beruf oder am Ausbildungsplatz gescheitert; leiden unter Ängsten vor sozialen Kontakten, Depressionen: “Die Nachfrage nach Hilfsangeboten steigt”, sagt Ulrich Claussen, Leiter der Therapie-Einrichtung “Auf der Lenzwiese” in Höchst im Odenwald. Weil dem so ist, behandelt die Reha-Klinik seit einem Jahr auch Patienten, die vom Cannabis loskommen wollen. Es ist das erste und einzige stationäre Angebot dieser Art in Hessen.
Noch nie war die Zahl der Probierer so hoch, sagt Diplompsychologe Claussen: 40 Prozent aller Jugendlichen im Alter von 18 bis 19 Jahren hätten schon einmal gekifft. Drei bis fünf Prozent bleiben hängen, ziehen täglich einen durch.
Doch es sind nicht nur junge Menschen, die mit den Folgen nicht mehr zurecht kommen. Der Anteil der um die 40-Jährigen, die jahrzehntelang gekifft haben, sei erstaunlich hoch, sagt Claussen. Er beschreibt sie als unselbstständig, als Nesthocker, die noch bei den Eltern wohnen, sich von ihrer Umwelt abgekapselt haben.
Besonders gefährdet seien Konsumenten mit einer Veranlagung zur Psychose: “Der Ausbruch der Krankheit verlagert sich acht bis zehn Jahre nach vorne.” Und der Verlauf sei schlimmer.
Die wachsende Zahl von Klinikeinweisungen lässt sich nach Ansicht des Diplompsychologen damit jedoch nicht erklären. Auch sei die Zahl der regelmäßigen Konsumenten seit rund 20 Jahren konstant. Das Problembewusstsein sei aber gewachsen. Cannabis werde nicht mehr so verharmlost wie früher.
Es gibt auch andere Meinungen: Die dafür den Wirkstoff verantwortlich machen, der Cannabis-Konsumenten den Kopf vernebelt. Der Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC) sei in den genmanipulierten Pflanzen gestiegen, was die Abhängigkeit befördere, sagt zum Beispiel Thomas Nolte, Schmerzmediziner aus Wiesbaden. “Der Wirkstoff liegt um das 20-fache höher als noch vor zwei Jahrzehnten.” Zudem habe sich die Art der Verabreichung geändert.
Anders als früher werde Cannabis nicht mehr so oft mit Tabak gemischt als Joint geraucht, sondern in Bongs oder Wasserpfeifen, die das tiefe Inhalieren vereinfachen.
Wie Nolte ergänzt, führt Cannabisgebrauch nicht zwangsläufig zur Sucht. In geringen Dosen sei er von therapeutischem Nutzen. Er selbst behandelt damit Patienten mit Multipler Sklerose oder Tumoren im Endstadium.
Quelle: www.fr-online.de

